Covid 19 – Chance für eine nachhaltigere Gesellschaft?

Ein Ausblick von Birte Jürgensen. ...

Dass wir nicht mehr so weitermachen können wie bisher, wussten wir auch schon vor der Covid-19-Krise. In dieser außergewöhnlichen Situation aber haben wir gemerkt, dass Dinge umgesetzt werden können, die wir in den letzten 20 Jahren im normalen Modus nicht geschafft haben. Spätestens seit dem Shutdown haben wir das erste Mal nicht nur verstanden, sondern auch erfahren, dass ein „Langsamer“ und ein „Nachhaltiger“ nicht nur möglich, sondern auch erstrebenswert ist. Natürlich sind viele Fragen trotzdem noch nicht geklärt. Immerhin handelte es sich um einen Ausnahmezustand. Aber die Idee einer nachhaltigeren Lebensweise liegt in der Luft. Es ist, als ob wir neue Wege kurz ausprobieren durften. Wir sind kurzzeitig wieder etwas näher zusammengerückt, durften Mensch sein, konnten unsere freie Gesellschaft und unseren Reichtum wieder schätzen.
Noch kann niemand sagen, wie es weitergeht und welche Auswirkungen die Erfahrungen aus der Covid-19-Krise auf unsere Gesellschaft und unser zukünftiges Leben haben wird. Als Anbieter von Designlösungen und strategische Partner bei der Entwicklung von Innovationen beobachten wir jetzt genau die Veränderungen und beginnen, Nachkrisenszenarien zu entwerfen. Denn eines ist sicher: Die Bedürfnisse der Menschen haben sich durch die Erfahrungen aus der jetzigen Krise verändert. Unser zukünftiges Lebensumfeld wird in vielen Bereichen neue Gestaltungsansätze und Designlösungen benötigen.
Was bedeutet das für die User Experience zukünftiger Produkte und Services? Auch wenn der Trend zum Lokalen und Regionalen zunehmen wird, wird sich die Globalisierung nicht rückgängig machen lassen. Menschen werden weiterhin reisen, auch wenn sich ihr Reiseverhalten ändern wird. Waren werden weiterhin um die Welt fliegen. Die Themen Hygiene und Sicherheit werden also in allen öffentlichen Bereichen an Bedeutung gewinnen. In dem Zusammenhang wird „touchless interaction“ im öffentlichen Transportwesen vermehrt Einzug finden. Wo möglich, werden Geräte und Services durch eigene Devices, wie z.B. das Smartphone, angesteuert. Augmented Reality und Gestensteuerung sind sicherlich in Hinblick auf Bedieninterfaces auch noch nicht ausgereizt. Neben der tatsächlichen Einschränkung von Übertragungswegen für Krankheiten durch den Einsatz neuer Technologien, wird die Kommunikation von Zuständen an Bedeutung gewinnen (z.B. im Supermarkt: “Dieser Einkaufskorb wurde gerade für Sie desinfiziert.“). Hier wird die Nutzung von Big Data ein Thema sein, genauso wie in Handel und Logistik, wo neue Konzepte erarbeitet werden müssen.
Mobilität wird sich ändern. Zunächst wird der Individualverkehr wieder gestärkt. Neue Konzepte für den öffentlichen Verkehr müssen mit dem Ziel der Nachhaltigkeit her. In Verbindung mit dem Thema Green Technology sehe ich riesige Chancen für Innovationen und neue Industrien. Auch wenn es momentan relativ ruhig um die „Fridays For Future“- Bewegung und das Klima-Thema ist, gibt es hier Vorbereitungen für die „Zeit nach Covid-19“. Wenn z.B. staatliche Konjunkturpakete an nachhaltige Lösungen geknüpft würden, könnten gezielt genau die Industrien gefördert werden, die den eingangs beschriebenen Umschwung in Richtung einer nachhaltigeren Welt einleiten könnte.
Last but not least wird die Digitalisierung in Ausbildung und Arbeitswelt schneller voranschreiten als gedacht. Selbst unsere Kleinsten haben in der Krise im Home-Office gelernt, ihre Schularbeiten mithilfe digitaler Plattformen zu erledigen. Webmeetings sind für die meisten von uns Alltag geworden, der sich nicht immer schlecht anfühlt. Wir haben mehr Zeit, weil wir uns weniger von A nach B bewegen müssen, ohne dabei weniger effektiv zu sein. Zugleich tun wir Gutes für Natur und Klima. Auch haben wir auf einmal mehr Zeit für Familie und Freunde. Unsere Wertevorstellungen verändern sich. Spätestens jetzt merken wir, dass wir durch unsere bisherige Lebensweise nicht nur die Ressourcen der Erde, sondern auch unsere eigenen Reserven verschwenden. Neue Modelle der Work-Life-Balance liegen in der Luft.
Klingt für mich insgesamt nach einer großen Herausforderung! Für uns als Designer und Entwicklungspartner für innovative Lösungen ist es aber auch eine große Chance, eine nachhaltigere Welt durch den sinnvollen Einsatz von neuen Technologien zu gestalten. Wir bei zweigrad greifen auf mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Innovationsmethoden zurück, sind kontinuierlich am Puls der Zeit, indem wir Trends, neue Materialien und modernste Technologien recherchieren, und verfügen über fundierte Kenntnisse in verschiedenen Branchen. Mit Hilfe unserer kreativen Kompetenz und mit dem spezifischen Know-how unserer Kunden sind wir es, die fundierte Zukunftsszenarien und Designstudien entwickeln und visualisieren.
Lassen Sie uns gemeinsam diese Chance ergreifen - fragen Sie uns nach unseren digitalen & physischen Workshops und Design-Dienstleistungen!

Kreatives Führen – Design managen:

Ein Thema das nicht mehr nur die Kreativbranche beschäftigt. ...

Der Rat für Formgebung widmet diesem Thema eine ganze Ausgabe des "designreport". Wie entsteht eigentlich Motivation in kreativen Teams? Kann man diese durch Führung erzielen? Und hält die Motivation an?

zweigrad Geschäftsführerin Birte Jürgensen sagt: "Ja, ich kann und muss Motivation führen." und "Nein, die Motivation hält nicht an. Ein kreatives Team muss dynamisch geführt und jeder Mitarbeiter in seiner Persönlichkeit erkannt und abgeholt werden. Nirgendwo ist der Mensch hinter dem Mitarbeiter so wichtig wie im kreativen Bereich. Und anders herum: Je mehr wir den Mitarbeiter als Menschen und das Team als dynamisches Gebilde wahrnehmen, umso kreativer ist der Output und umso besser kann man immer wieder die Motivation des Teams steigern. Diese Art der Führung braucht Mut zu Investitionen, die sich nicht direkt messen lassen.

Wenn ich meine Mitarbeiter in die Zukunft führen will, müssen wir permanent in die Zukunft schauen, Trends in Gesellschaft und Technologie beobachten und zukünftige Fragestellungen und Probleme erkennen. Wir gestalten gezielt Innovationen, die unseren Kunden Antworten auf Fragen geben, die sie erst in der Zukunft stellen werden."

Wie wird die "Welt 4.0" das Industrial Design verändern?

Eine Einschätzung von Birte Jürgensen (zweigrad Geschäftsführung) ...

Dass Industrie 4.0 unsere Welt verändern wird ist unumstritten. Alle reden über diese Revolution, über das „Internet of Things“ oder das „Internet of Services“, über „Big Data“. Doch was genau ist Industrie 4.0? Wer begreift heute ihre Ausmaße? In welcher Weise wird Industrie 4.0 das Umfeld und die Gewohnheiten eines jeden einzelnen von uns verändern? - Im Privatleben wie in der Arbeitswelt? Und was bedeuten veränderte Nutzungsszenarien für uns Menschen? Als Designer und Ingenieure beschäftigen uns diese Fragen. Unser Wunsch nach Verstehbarkeit hat uns angetrieben, einen Blick in die Zukunft zu wagen und mögliche Szenarien einer „Welt 4.0“ zu visualisieren. Im Rahmen unseres zweigrad Vision Panels haben wir dazu Visionen von zukünftig möglichen Produkten entwickelt.

Aus meiner Sicht wird der Erfolg von Industrie 4.0 -und damit meine ich nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg- auch wesentlich davon abhängen, ob es uns gelingt, den Menschen „mitzunehmen“. Fest steht, dass diese Entwicklung unser Leben mindestens so nachhaltig beeinflussen wird wie die Digitalisierung oder die Verbreitung des Mobiltelefons. Wir werden zukünftige Produkte komplett anders nutzen als heute. Insofern wird sich die Mensch-Maschine-Schnittstelle „Produkt“ radikal verändern. Hard- und Software werden immer weiter miteinander und mit der realen Welt verschmelzen. So hält Augmented Reality schon seit längerer Zeit rasant Einzug in die Produktion, aber auch in den privaten und öffentlichen Bereich. Die standardmäßige Nutzung von Virtual Reality - Anwendungen hakt nicht mehr an der Rechenleistung, jedes Smartphone kann mittlerweile 3D-Bilder ausgeben. Sobald es Lösungen für ein immersives Feedback auf alle Sinne unseres Körpers gibt, werden wir uns in einigen Bereichen komplett von der realen Welt in die virtuelle verabschieden. Intuitive Software wird eine immer größere Rolle spielen. Auch virtuelle Produkte wollen gestaltet werden.

Wir müssen uns auf diese veränderte Situation einstellen. Die autarke Gestaltung von Hardware, wie sie das Bild des klassischen Industriedesigners seit Jahrzehnten ausmachte, wird keine ausreichenden Antworten mehr auf die veränderten Anforderungen einer zunehmend virtualisierten Welt geben können. Wir müssen interdisziplinär denken und arbeiten, wenn wir den Menschen eine vernünftige Antwort auf die veränderten Nutzungsszenarien geben wollen. Da wir auch in Zukunft unserem hohen Anspruch an Usability und Ergonomie gerecht werden wollen, gestalten wir verstehbare Anwendungen, ausgerichtet auf ihr spezifisches Nutzungsszenario, in einem interdisziplinären Team aus Ingenieuren, Industrial Designern und Interaction Designern. Für uns bei zweigrad steht der Mensch im Mittelpunkt. Denn auch und gerade in einem immer stärker technologisierten Umfeld soll die Maschine dem Menschen helfen und nicht umgekehrt. Jede Anwendung, jedes Produkt –egal ob Hard- oder Software- soll dem Menschen das Gefühl geben, verstanden worden zu sein. Eine Herausforderung, die wir gern annehmen, und die uns die nächsten Jahre beschäftigen wird: the beauty of understanding.

„Charlie bit my finger“ – und warum die Welt GUI spricht

Ein Kommentar von Stefan Proud (zweigrad Interaction Designer) ...

Tragbare Geräte mit Internetzugang verbreiten sich weltweit schneller als die Stromnetze, mit denen sie geladen werden. Der digitale Informationsfluss, der damit einhergeht, kann fast jeden Menschen der Erde mit Informationen und Dienstleistungen versorgen, womit dieser Zugang zur wahrscheinlich ersten, weltweit verfügbaren universellen Dienstleistung wird. Mit der Nutzung von Handy, Cell Phone, Shou-Ji, Celular, Tablet, iPad oder anderer internetfähiger Geräte sind Sie einer gigantischen Welt voller grafischer Benutzeroberflächen (GUI – von „Graphical User Interface“) ausgesetzt. Aufgrund der Funktionsweise digitaler Produkte wie Apps und Webbrowsern werden Nutzer auf der ganzen Welt zeitgleich und ohne Verzögerung mit den neusten Verbesserungen und Konzepten von Nutzeroberflächen konfrontiert. Diese intensive Auseinandersetzung mit GUI-Design verringert die digitale „Lernkurve“ – also die Zeit, die Benutzer benötigen, um die Bedienung des Produktes oder der Dienstleistung zu verstehen. Die Konfrontation mit dem Design digitaler Benutzeroberflächen ist unabhängig von Kultur, Erziehung, sozialer Schicht und Schulbildung. Diese „digitale Sprache“ wird auf der ganzen Welt gesprochen und verstanden. Das Internet stellt uns dabei die Hilfsmittel zur Verfügung, die wir zur Kommunikation benötigen und liefert gleichzeitig die Themen die wir teilen und über die wir reden.

Videos von Babys und Haustieren sind Internetphänomene (und Themen), die uns vereinen. Emojis, Such-, E-Mail- und Menü-Symbole sind fast so bekannt wie die Logos der weltweit größten Marken. „Charlie“, der kleine britische Junge, der seinen Bruder in den Finger gebissen hat, wird auf der ganzen Welt wiedererkannt (830 Mio. Klicks auf You Tube), weil die verwendeten grafischen Benutzeroberflächen und Prozesse zur Ansicht solcher Videos fast jedem vertraut sind.

Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt derzeit in Regionen ohne Straßen-, Strom-, und Wasserversorgungsnetzen oder kabelbasierten Telefon- und Internetanschlüssen. Diese Hürden können in der nahen Zukunft durch eine drahtlose Datenübertragung überwunden werden. Tragbare Geräte, die sich mit Generatoren und kleinen Solarladegeräten aufladen lassen, ermöglichen die Verbreitung dieser Technologie in Gegenden, in denen alle anderen grundlegenden Dienstleistungen fehlen. Bald sind wir alle miteinander verbunden, und durch grafische Benutzeroberflächen gesteuerte Verhaltensweisen und Symbole auf mobilen Geräten sind überall bekannt. Wenn wir in 20 Jahren zurückblicken, werden wir Unternehmen nicht mehr verstehen, die sich dagegen entschieden haben, die explosive Entwicklung der Online-Aktivitäten im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts zu nutzen – ebenso wie es jemand in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts sicher nicht verstanden hätte, warum zwei Jugendliche aus einem Land am Persischen Golf heute das Video von Charlie nachspielen.